Dank der freundlichen Unterstützung von fernsehjuwelenhier nun eine
Rezension der DVD Box "Die Heartbreakers".
Inhalt Mitte der sechziger Jahre verhöhnt im Ruhrgebiet ein Polizist Mick Jagger. Freytag und Schmittchen sehen deshalb die Zeit gekommen, selbst eine Rockband auf die Beine zu stellen und gründen gemeinsam mit Guido und Hörnchen die Heartbreakers. Unter den Fittichen ihres Möchtegern-Managers Pico wird der große Durchbruch angepeilt, doch zunächst ernten die Jungs nur Spott. Die Bitte des Mädchens Lisa, sie in der Band singen zu lassen, wird abgelehnt. Dann steht ein Beat-Wettbewerb in Recklinghausen an...
Anbieter: Alive Ag
Genre: TV - Film, Musik
FSK: 12
Laufzeit: 115 min.
Medien-Typ: 1 & DVD9
Bildformat(e): 4:3
Tonformat(e): Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo
Darsteller: Uwe Bohm, Maria Ketikidou, Rolf Zacher, Sascha Disselkamp, Mark Eichenseher
Regie: Peter F. Bringmann
Verpackung: Keep Case im Schuber
Mit den 1983 in die deutschen Kinos gekommenen Film "Die Heartbreakers", bringt das innovative Label "Fernsehjuwelen" unter dem Vertrieb von "AL!VE" abermals einen kleinen cineastischen Schatz vergangener Tage erstmals zur Veröffentlichung auf DVD.
Die äußerst liebevoll und warmherzig umgesetzte und erzählte Geschichte über das Gefühl und Leben der Jugend zum Ende der Sechziger hin entstand in einer Coproduktion der "Pro-ject Filmproduktion" mit "Tura-Film" und dem WDR. Regie bei dieser Produktion führte Peter F. Bringmann, der bereits zuvor 1980, mit "Theo gegen den Rest der Welt" mit Marius Müller-Westernhagen in der Hauptrolle, einen grandiosen Erfolg bei Publikum und Kritik erzielen konnte. Das Buch zu dem hier auf DVD vorliegenden Film stammt aus der Feder von Matthias Seelig, der auch schon das Buch zu "Theo gegen den Rest der Welt" schrieb.
Eines kann man diesem Team aus Autor und Regisseur ohne Wenn und Aber attestieren. Es ist ein schon beinahe unglaubliches Gespür für eine stimmige Authentizität und den hohen Bezug zur Realität, von dem die in ihrer Zusammenarbeit entstandenen Filme regelrecht strotzen. So überzeugt auch hier bei "Die Heartbreakers" die in diesem Film erzählte Geschichte mit ihrer Darstellung des Zeitgefühls der Jugend in den Sechzigern, in denen die Handlung angesiedelt ist. Dabei geht es weniger um tief greifende politische Aufarbeitungen bestehender Widersprüche in dieser Zeit, sondern vielmehr um den Beat, die Musik jener Generation. Damals wie heute war und ist Musik auch Protest, lebensbejahende Aussage aber auch Mittel des Ausdrucks der eigenen Persönlichkeit.
Und genau hier setzt der Film an. Eine recht wilde und in ihren Persönlichkeiten höchst unterschiedlich geprägte Truppe Jugendlicher findet sich Mitte der Sechziger, zu einer Zeit als die Beatmusik auch hier in Deutschland immer populärer wird, in Recklinghausen, inmitten des Ruhrgebiets, zusammen. Sie alle eint die Liebe zur Musik und der Wunsch so zu werden und zu sein wie ihre großen Vorbilder, die da wären "Beatles", "Rolling Stones", "Kinks", "Animals" und die vielen andere Bands jener Zeit. Was liegt da also näher, als nach dem ersten Aufeinandertreffen und Kennenlernen auf einer Polizeiwache, im Anschluss an ein Konzert der "Rolling Stones" in Essen, selber eine eigene Band zu gründen. Nach einigen ersten Startschwierigkeiten steht die Besetzung der Band mit "Freytag" (Sascha Disselkamp), Schmittchen (Uwe Enkelmann), "Horn" (Mark Eichenseher) und "Guido" (Hartmut Isselhorst) recht schnell. Bald gesellt sich mit dem etwas zu kurz geratenen "Pico" (Michael Klein), auch noch ein Manager mit zur Band. Eigentlich wäre da auch noch "Lisa" (Maria Ketikidou), welche gerne als Leadsängerin mit in die Band einsteigen würde. Das scheitert aber am entschiedenen Protest von "Freytag".
Bald steht auch der erste Auftritt der Band an, der dann auch beinahe schon wieder der Letzte sein soll. Insgesamt stürzen die Band und deren Mitglieder im Laufe der Handlung beinahe ständig von einem Fiasko in das nächste. Für den Zuschauer freilich bedeutet dies allerbeste und nie Langweile aufkommende Unterhaltung während der insgesamt 109 Minuten Gesamtlaufzeit, mit der dieser Film daherkommt. Überhaupt hat mich die wirklich sehr gelungene Besetzung aller zu verkörpernden Rollen in diesem Film überzeugt. Sein es die bis dahin bis auf Uwe Enkelmann noch alle recht unbekannten Hauptdarsteller oder auch die in den kleineren Nebenrollen zu erlebenden Darsteller. Ein wahres "Fernsehjuwel" für mich ist es hier bei "Die Heartbreakers", die wohl den meisten aus dem "Großstadtrevier" bekannte Schauspielerin Maria Ketikidou am Beginn ihrer Schauspielkarriere, sie müsste beim Dreh so um die 16-17 gewesen sein, zu erleben. Einfach nur herrlich auch der übereifrige Polizist. Was habe ich gelacht, als dieser die Jungs auf dem Polizeirevier fragt "Sagt mal, warum wackelt dieser Mik Jääger eigentlich immer so mit dem Arsch? Hat der Hämorieden oder ist der schwul?" In der Rolle des Vaters von "Lisa", sieht man in diesem Film Rolf Zacher.
Das mit einer laut Cover angegebenen Gesamtlaufzeit von ca. 109 Minuten zur Ansicht kommende Bild der vorliegenden DVD präsentiert sich im Format 4:3-Letterbox. Auf Rückfrage beim veröffentlichenden Label wurde mir mitgeteilt, das hier die in den Archiven noch vorliegende besterhaltene Kopie des Films als Master für die Herstellung der DVD verwendet wurde. Man darf eben nicht vergessen, dass seit dem Dreh nun beinahe dreißig Jahre in das Land gezogen sind. Diese lassen sich dann bei dem hier von der DVD zur Ansicht kommenden Bild natürlich nicht ganz verleugnen.
Im Gesamteindruck kann das Bild mit recht natürlichen, wenn bisweilen auch etwas differenziert daherkommenden Farben aufwarten. Schärfe und Kontrast zeigen sich in ihren Einstellungen in den zu erwartenden Werten einer TV-Produktion Anfang der Achtziger gesetzt. Trotz einiger bisweilen zu bemerkenden Unschärfen und Doppelkonturen kann das Ergebnis als akzeptabel und dem Produktionsalter angemessen beurteilt werden. Besonders unter schwierigen Lichtmomenten machen sich im Bild Längsstreifen bemerkbar, die anscheinend vom bei der Produktion verwendeten MAZ-Band mit übernommen wurden. Bildrauschen und Unruhen, wie auch Verunreinigungen und mechanische Beschädigungen am und im zu sehenden Bild fallen relativ gering aus und sind nicht sonderlich auffällig oder gar störend.
Abschließend kann man sagen, dass sich das von der hier zur Veröffentlichung zur Ansicht kommende Bild sicher nicht als Reverenz weißend bezeichnen kann, es aber dennoch versucht wurde, aus den vorhandenen betagten Filmmaterial noch das Beste zu machen. Es ist nun einmal schlichtweg auch finanziell nicht machbar jeden auf DVD zur Veröffentlichung kommenden älteren Film höchst kostenaufwendig komplett zu bearbeiten und zu restaurieren.
Die DVD-Menüs der vorliegenden Veröffentlichung präsentieren sich im stimmungsvollen schwarz/weiß mit pinkfarbener Schrift . Sie sind dabei übersichtlich und gut bedienbar, mit einigen kleineren Animationen, Szenenbildern und zu hörender Hintergrundmusik gestaltet. Unmittelbar nach Einlegen der DVD in den Player kann der Film zur Wiedergabe gestartet werden. Über "Kapitel", aus dem Hauptmenü heraus, gelangt man zu zwei sich separat öffnenden weiteren Menüs mit insgesamt zwölf auf der DVD gesetzten Kapiteln, welche in Textform dargestellt, bei Bedarf angewählt werden können. Als Extras bietet die DVD einige Trailer zu weiteren Veröffentlichungen innerhalb der Reihe "Fernsehjuwelen" sowie den Kino-Teaser.
In dem einfachen Klarsicht-Amaray-Case zur Aufbewahrung der DVD, welches sich in einem Hochglanzpappschuber ohne FSK-Kennzeichnung befindet, liegt noch ein vier Seiten umfassendes Booklet bei. In diesem finden sich, neben kurzen Biografien zu den Hauptdarstellern und Regisseur Peter F. Bringmann, zudem noch ein über zwei Seiten verteiltes Interview mit Herrn Bringmann. Tonbewertung: Einen Großteil und ganz besonderen Charme in und bei diesem Film macht natürlich die in ihm zu Gehör kommende und in den Bann ziehende und grandios ausgewählte Musik der Sechziger aus. Schon beinahe automatisch dreht man beim Ansehen der DVD hier den Ton etwas lauter. Ein in seinen Dialogen zumeist gut verständlicher Ton im Format Dolby Digital 2.0 kommt hier zu Gehör.
Er ist vom Klangvolumen und in seinen Höhen und Tiefen gut abgemischt, wenn auch bisweilen etwas mittig. Weder die Musik noch die Hintergrund- und Nebengeräusche überlagern das gesprochene Wort. Größere Auffälligkeiten oder Mängel im zu hörenden Ton während der Wiedergabe der DVD, fielen mir nicht erwähnenswert auf. Untertitel finden sich leider keine auf der vorliegenden Veröffentlichung. Gesamturteil: Mit "Die Heartbreakers", kommt hier durch das Label "Fernsehjuwelen", unter dem Vertrieb von "AL!VE", viel mehr wie "nur" ein Musikfilm aus dem Jahr 1982 zur erstmaligen Veröffentlichung auf DVD. Die stimmungsvoll und sympathisch in Szene gesetzte und erzählte Geschichte über eine sich gefundene Truppe höchst unterschiedlicher Charaktere, steht beispielgebend für das Lebensgefühl einer ganzen Generation von Jugendlichen inmitten der Sechziger in ganz Deutschland. Dabei ist die sie alle begeisternde Musik zugleich Bindeglied und Mittel um ihre Hoffnungen und Träume, aber auch Enttäuschungen, eben ihren Alltag zu verarbeiten. Ein wunderbar witziger, in leisen wie auch kraftvoll ruppigen Tönen erzählter Film, der selbst noch heute, beinahe dreißig Jahre nach seiner Uraufführung, nichts von seinem ganz besonderen Charme und Flair verloren hat. Top-Empfehlung.