
Dolles Familienalbum - Die komplette Mini-Serie

Inhalt
Die Dolles sind Urberliner, eine ganz normale Familie, wenn auch jeder Einzelne von ihnen seine Besonderheiten, vor allem seine besonderen Dickschädel hat. Anlässlich des 20. Geburtstags des Jüngsten gestaltet Opa Willi ein Familienalbum und blickt dabei auf 20 Jahre DDR und Familie Dolle zurück. Dieses Album soll den zwanzigjährigen Peter immer daran erinnern, welcher großen gemeinsamen Anstrengungen es bedurfte, das einstige Dollesche Schützenhaus in ein neues und schönes, ein sozialistisches Kulturhaus zu verwandeln. Jedoch droht dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Schützenhaus nun das Aus. Es steht auf der Abrissliste, um einem Neubaukomplex zu weichen. Publikumsliebling Agnes Kraus amüsiert als Tante Minna, Helga Raumer überzeugt als resolute Martha Dolle und Willi Narloch brilliert in seiner Doppelrolle als alter Gottlieb Dolle und dessen Sohn Willi. Agnes Kraus, die Ikone Berlins & des Ostens! Die Heidi Kabel der DDR!
Anbieter: ICESTORM
Genre: Tv-Serie,
FSK: 6
Laufzeit: 585 min.
Medien-Typ: 4 & DVD9
Verpackung: Digipak
Bildbewertung
...InfAnlässlich des Jubiläums des einhundertsten Geburtstags von Agnes Kraus kommen gleich mehrere Produktionen mit der unnachahmlichen und in ihrer Art einmaligen Schauspielerin, wie hier durch das "Studio Hamburg", zur Veröffentlichung auf DVD. Wobei man bei "Dolles Familienalbum" erwähnen muss, dass Agnes Kraus in dieser Mini-Serie "nur" in einer der Rollen und nicht die Hauptrolle spielt. Das aber mit genauso viel Herzblut und Können wie in vielen ihrer anderen Filme auch. Wie eigentlich immer ist sie auch diesesmal als "Tante Minna", abermals wieder höchst authentisch und glaubhaft.
Die neunteilige Mini-Serie des "Deutschen Fernsehfunks", die erstmals ab 1969 im Fernsehen der DDR zu sehen war, entstand nach den Büchern von Werner Bernhardy (1884-1953) sowie Goetz Jäger und Herman Rodigast (Folgen 1-5). Steht der Name des Autors Goetz Jäger hinter vielen Schwänken aus der DDR, wie zb. denen der "Max Baumann-Reihe" oder auch jenen über die "Drei reizenden Schwestern", sind es bei Herman Rodigast Kultfilme und Serien wie "Aber Vati" und "Benno macht Geschichten", um hier nur einige Beispiele zu nennen. Werner Bernhardy schrieb u.a. die Drehbücher zu einigen weiteren der großen Erfolge, in denen Agnes Kraus auch zu sehen ist. Beispiele wären hier Filme wie "Viechereien", "Oh, diese Tante" und auch "Alma schafft alle". Regie bei den ersten fünf Folgen von "Dolles Familienalbum" führte Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Hans Knötsch (1923-1996). Unter seiner Regie entstanden u.a. auch einige Folgen der in der DDR sehr beliebten Reihen von "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort". Auch hinter der siebenteiligen TV-Serie "Hochhausgeschichten" steht er als Regisseur. Bei den Folgen 6 bis 9 von "Dolles Familienalbum", lag die Regie in den Händen von Eberhard Schäfer. Dieser hatte zb. selbige auch in zweien der legendären Sylvester-Schwänke über das "Ferienheim Bergkristall" oder auch in Filmen wie "Oben geblieben ist noch keiner" und "Unser bester Mann" mit Heinz Rennhack inne.
Die Mini-Serie "Dolles Familienalbum" war eine der ersten großen Produktionen der erst 1968 beim damaligen Fernsehen der DDR gegründeten "Abteilung Serienproduktion". Die Serie erzählt anhand der Lebensgeschichte der Familie Dolle und dabei rückblickend die Geschichte und Entwicklung der DDR in den ersten zwanzig Jahren ihres Bestehens. So bietet diese heiter und beschwingt inszenierte Serienproduktion, neben der in ihr so wundervoll erzählten Familiengeschichte über die Dolles, zugleich eine höchst gelungene und interessante Zeitreise, zurück über gleich mehrere Jahrzehnte bis hin in das Jahr 1945 zum Kriegsende, an.
Man erlebt in den neun erzählten Geschichten den Lauf der Entwicklung der drei Generationen der Dolles, welche unter dem Dach des "Schützenhauses", einer alt angestammten Schankwirtschaft, leben und wohnen. Die allesamt höchst unterschiedlichen und eigenen Persönlichkeiten stehen zugleich beispielgebend für eine durchschnittliche und typische Urberliner Familie. Mit ihren in dieser Serie gezeigten Erlebnissen spiegeln sie den Alltag jener Zeit mit seiner Aufbruchsstimmung, aber auch seinem oft beschwerlichen und mühsamen Weg des Neuanfangs und Aufbaus nach Kriegsende, höchst authentisch wieder.
Als grandios ist hier einfach nur das Spiel aller Darsteller in dieser Produktion zu benennen. Besonders beeindruckte mich hier Willi Narloch (1910-1973), der hier gleich in zwei Rollen zu erleben ist. Er spielt neben dem Vater "Willi Dolle" zugleich auch noch seinen eigenen Vater "Gottlieb Dolle". Für mich derart gekonnt und facettenreich, dass ich beim Ansehen der einzelnen Folgen vollkommen vergaß, dass hier ein und derselbe Schauspieler diese zwei unterschiedlichen Rollen verkörperte.
Als "Opa Willi" bastelt er zusammen mit Pförtner "Egon Krauthaar" (Axel Triebel), in den Räumlichkeiten der Betriebszeitung, an "Dolles Familienalbum". Das Album, welches er seinem Enkel anlässlich dessen zwanzigsten Geburtstags schenken will, erzählt die Geschichte der Dolles und ihren Schützenhauses seit Gründung der DDR.
Dabei zeigen die ersten fünf Folgen die Inhalte der Handlungsebene in dargestellten Rückblicken in einer Art filmischer Familienchronik. In den Folgen sechs bis neun, erlebt der Zuschauer dann die Geschichte der Familie Dolle ab dem Jahr 1970. Ihr ehemaliges "Schützenhaus", welches zwischenzeitlich zu einem sozialistischen Kulturhaus geworden ist, soll Neuem weichen und abgerissen werden. Besonders für Willis Frau "Martha" (Helga Raumer 1924-1997) unvorstellbar.
Die Serie bietet neben den bereits erwähnten hochklassigen Darstellern aber auch ein Wiedersehen mit damals wie auch noch heute zum Teil sehr bekannten und beliebten Größen aus Film und Fernsehen. So erlebt man die junge Helga Piur als "Elfi", der Frau von Willis Sohn "Paul" (Michael Narloch). Andere in dieser Serienproduktion zu erlebende Namen von Darstellern wären zb. noch die von Eberhard Schaletzki, Peter Friedrichson, Elvira Schuster, Katharina Thalbach und Harry Hindemith (1906-1973) und viele andere mehr.
Mit einem vom veröffentlichenden Label "Studio Hamburg" angegebenen Bild im Format 4:3 Vollbild (1.33:1) und einer Laufzeit von 585 Minuten, kommt das Bild von den vier DVDs dieser Veröffentlichung zur Ansicht. Zu Anbeginn der Wiedergabe bittet eine Texttafel um Verständnis für kleinere Einschränkungen in der Bild- und Tonqualität. Natürlich machen sich die mehr als 40 vergangenen Jahre seit Produktion dieser Miniserie in der zur Ansicht kommenden Bildqualität bemerkbar. Hier ein Bild wie vom allerneuesten Hollywoodfilm zu erwarten wäre unangebracht. Dennoch empfinde ich das Bild, gerade auch in Anbetracht seines Alters und in Bezug zu den damaligen technischen Möglichkeiten und Aufzeichnungsverfahren, als im Gesamteindruck durchaus akzeptabel. Es ist gelungen mit einer angemessenen Bearbeitung die alten Aufzeichnungen gelungen zu restaurieren und in ihrer Natürlichkeit zu belassen, ohne dabei das Bild im Gesamteindruck zu "Verschlimmbessern".
Die DVD-Menüs wurden passend zu bereits anderen Veröffentlichungen der Reihe "DDR TV-Archiv" gestaltet. Sie sind mit einigen animierten Filmsequenzen und der Filmmusik gestaltet und dabei übersichtlich und bedienfreundlich. Sie ermöglichen den direkten Start der Wiedergabe der einzelnen Episoden unmittelbar nach Einlegen der DVD in den Player. Die Möglichkeit einer Kapitelauswahl über ein Menü wird nicht angeboten, jedoch sind innerhalb der einzelnen Folgen einige Marker gesetzt.
Außer einigen Trailern, zu anderen Veröffentlichungen durch das "Studio Hamburg", finden sich keine weiteren Extras auf den DVDs. Ein bebildertes sechzehnseitiges Booklet bietet neben Interviews mit Werner Bernhardy und Goetz Jaeger auch noch Gespräche mit einigen der Darsteller. Neben einer Auflistung von Stab und einigen der Hauptdarsteller finden sich auch noch Gedanken zu "Familienserien in der DDR" und zu "Mitgliedern der Familie Dolle" in Textform mit in dem Booklet.
Tonwertung
In Anbetracht seines Produktionsalters kann der von den DVDs dieser Veröffentlichung zu Gehör kommende deutsche Ton im Format Dolby Digital 2.0 Mono als dem produktionstechnischen Möglichkeiten angemessen und akzeptabel beurteilt werden. Er ist in seinen Dialogen zumeist gut verständlich. Vom Klangvolumen her ist er recht ausgeglichen. Insgesamt wirkt er verständlicherweise recht mittig mit relativ wenigen Klangfarben und zu bemerkenden Nuancen in sich. Aber von einer Serienproduktion des DDR-Fernsehens zum Ende der Siebziger hin etwas anderes zu erwarten, wäre wohl auch schon beinahe illusorisch. So gesehen oder besser formuliert "gehört", geht der Ton von dieser Veröffentlichung vollkommen in Ordnung und präsentiert sich in der wohl hier noch machbaren Qualität. Untertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose werden von den vier DVDs dieser Veröffentlichung leider nicht angeboten.
Autor: Torsten
Ein ICESTORM Produkt

Gesamturteil:
Mit der neunteiligen Mini-Serie "Dolles Familienalbum" kommt hier ein wahrhafter Schatz und einzigartiges Schmuckstück innerhalb der Reihe "DDR TV-Archiv", durch das "Studio Hamburg" zur Veröffentlichung. Was diese TV-Serie vergangener Tage bietet, geht weit hinaus über nostalgische oder eben auch "OSTtalgische" Fernsehunterhaltung. Neben einer grandios aufspielenden Schar an Darstellern, bis in die kleinste Rolle hinein, bietet die Serie interessant und authentisch aufgezeigte Geschichte über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren in Bezug zur ehemaligen DDR. Ich bin begeistert und kann diese Veröffentlichung wirklich ruhigen Gewissens nur allen Interessierten diesen Genres empfehlen und ans Herz legen.