Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box
"GG 06: Erinnerungen an einen Sommer in Berlin".
Inhalt 1936 in Berlin. Der Reichstag ist abgebrannt. Hitler regiert seit 1933 mit Hilfe eines sogenannten Ermächtigungsgesetzes. Alle Parteien mit Ausnahme der NSDAP sind aufgelöst oder verboten. Bücher haben gebrannt. Gewerkschaften, Verwaltungen und Verbände sind gleichgeschaltet. Die parlamentarische Demokratie in Deutschland ist begraben. Die Olympischen Spiele im August 1936 in Berlin bieten den Nationalisten eine großartige Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit des "Dritten Reiches" der Welt vor Augen zu führen - und sie nehmen sie wahr. Die Arbeitslosigkeit ist weitgehend beseitigt. Die Verfolgung der Juden und der Kirchen ist vorübergehend ausgesetzt. Teilstücke der "Reichsautobahn" werden eröffnet, ein erster Farbfilm wird gedreht - es gibt zum ersten Mal Fernsehen in Deutschland.
Darsteller: Franziska Bronnen, Moritz Milar, Burt Nelson
Verpackung: Digipak
Bildbewertung / Tonbewertung: Mit der DVD "Erinnerungen an einen Sommer in Berlin" kommt in der Reihe "Grosse Geschichten" eine sehr wertvolle semidokumentarische Literaturverfilmung durch "ARD-Video" zur Veröffentlichung.
Der Film entstand im Jahre 1972 auf Grundlage des letzten Kapitels des Romans "Es führt kein Weg zurück" (posthum veröffentlicht 1940), vom amerikanischen Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Wolfe (1900-1938). Unter der Regie und nach dem Drehbuch des zweifachen Grimme Preis-Trägers und Besitzers der "Goldenen Kamera" Rolf Hädrich, entstand unter Verwendung der verschiedensten stilistischen Dokumentationsmittel ein ergreifendes Dokument über das Jahr 1936, einer Zeit, in der das dritte Reich gerade einmal 3 Jahre existent war.
Der Film schafft es, die vielen, oft sogar gegensätzlichen und kontroversen Aussagen der Bilder zu einem ganzen zu vereinen und in seiner Aussage ein unvergleichliches Zeitdokument und Abbild der Zeit zu schaffen. Es gelingt dem Regisseur Rolf Hädrich mit einem höchst sensiblen Gespür, die anfangs fast blauäugige und naive Faszination des Amerikaners bei seinem Besuch Berlins während der Olympischen Spiele 1936, zu vermitteln. Durch das geschickte Verfügen und ineinander greifen von Bildern aus dem Original-Olympiafilm, Tatsachen-Materialien, Spielfilmszenen und der optimistischen Szenerie der Wochenschauen dieser Zeit, sieht der Zuschauer die Geschehnisse jener Tage durch die Augen des frisch verliebten Thomas Wolfe. Das alles hin bis zu dem Moment, als Thomas Wolfe, fast an banal wirkenden Ereignissen die wahre und menschenverachtende Urkraft des Bösen hinter der Fassade der Diktatur des Dritten Reichs entdeckt und erkennt.
Geschickt dosiert verarbeitet Rolf Hädrich Aussagen bekannter Zeitzeugen aus diesen Tagen, in denen Deutschland versuchte, die ganze Welt zu täuschen, mit seiner Maskerade, die es für die Olympischen Spiele aufgelegt hatte. Zeitzeugen wie Leni Riefenstahl, Verleger Heinrich Ledig-Rowohlt, NS-Rüstungsminister Albert Speer, US-Historiker William L. Shirer, Ex-Turmspringer Marshall Wayne und Schriftteller Thomas Wolfe im Originalton kommen zu Wort und verleihen dem Film eine Authentizität, die einen Bezug zur Realität zeigt, die oft beängstigend wirkt und zum Teil einfach nur sprachlos macht. Der Film gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, die sich selbst entlarvende Widersprüchlichkeit der Propaganda der Nationalsozialisten zu erkennen und das wirkliche Antlitz des Regimes mit seinen wahren Zielen zu sehen.
Im Film werden viele filmische Zeitdokumente der damaligen Zeit verwendet. Es wird sicher ein jeder Verständnis dafür aufbringen, dass die nunmehr zum Teil über 70 Jahre alten Filmaufnahmen, nicht mehr den heute gewohnten Standards entsprechen können. Die 1971/72 produzierten Spielfilmszenen zeigen sich in der üblichen Qualität von schwarz-weiß Aufnahmen, die aus dieser Zeit stammen. Wie das Bild macht sich auch im Ton das Alter bemerkbar, wobei die Verständlichkeit immer gegeben ist. Auch wenn die Qualität von Bild und Ton auf dieser Veröffentlichung verständlicherweise nicht die allerbeste ist, so überzeugt doch vor allem die Aussage und Einmaligkeit der historischen Filmdokumente dieser Produktion.
Gesamturteil: Eine beeindruckende und wertvolle semidokumentarische Literaturverfilmung auf Grundlage des letzten Kapitels des Romans "Es führt kein Weg zurück" von Thomas Wolfe unter einer hervorragenden und äußerst sensibel geführten Regie von Rolf Hädrich. Unglaublich stark in seiner Aussage und Wirkung auf den Zuschauer. Ein wahres Meisterwerk.