Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box "GG 10: Das Gelübde".
Inhalt 1818, das Städtchen Dülmen in Westfalen. Im Mittelpunkt eines religiösen Kults, der von Aberglauben, Frömmigkeit und irrationaler Hoffnung durchdrungen ist, steht die charismatische Anna Katharina Emmerick. Durch die Stigmata, die Wundmale Christi, und ihre starken Visionen wird die junge Nonne zur Mystikerin und Prophetin in einer Zeit, die geprägt ist vom Konflikt zwischen katholischer Anti-Aufklärung und preußischem Fortschrittsdenken.
Anna ist bereit, ihre Visionen dem gefeierten Romantik-Dichter Clemens Brentano zu diktieren. Doch ihre intensive, ja fast sinnliche Begegnung, stürzt beide in eine sowohl politische als auch religiöse Kontroverse und stellt sie auf eine harte Probe.
Auch die zehnte Veröffentlichung durch "ARD-Video" innerhalb der Reihe "Grosse Geschichten" bietet wieder beachtenswerte und höchst niveauvolle Filmkost der besonderen Art. Der Regisseur Dominik Graf unternimmt den Versuch, in einem ehrlichen Film, fernab von religiös-spirituellen Schubladendenken und sonst oft genutzten Ausstattungsstereotypen bei Themen des katholischen Milieus, sich dem Ursprung der Visionen und Stigmata der Ordensschwester Anna Katharina Emmerick zu nähern. Diese filmische Annäherung, an ein so komplexes, inhaltlich hoch brisantes Thema, gelingt in einer Art, die sich einer sprachlichen Beschreibung entzieht und in ihrer Einzigartigkeit besticht.
Dabei orientiert sich der Film in seiner Geschichte an den überlieferten und als gesichert geltenden wahrhaften Begebenheiten im Leben des deutschen Schriftstellers Clemens Brentano (1778-1842) und seiner Begegnungen mit Anna Katharina Emmerick (1774-1824) in Dülmen, in den Jahren von 1819 bis 1824. In dieser Zeit fertigte er umfangreiche Aufzeichnungen ihrer Erzählungen und Visionen an, die er später in Buchform veröffentlichte. Im Jahre 2004 wurde Anna Katharina Emmerick durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Wobei die katholische Kirche bis heute betont, dass die Seligsprechung kein Anerkenntnis der überlieferten Visionen oder Stigmata ist, sondern in Anbetracht der sozialen Gesinnung, Nächstenliebe und christlichen Konsequenz von Anna Katharina Emmerick erfolgte.
Neben den realen tatsächlichen Ereignissen war der 1998 von Kai Meyer veröffentlichte Roman eine Grundlage für die Entstehung dieses Films.Der Film schafft es, in einer atmosphärisch schon fast unheimlich dichten Schilderung die Ereignisse aufzuzeigen. Überdeutlich zeigt er die tiefe und ehrliche Zweisamkeit, die sich zwischen Anna Katharina Emmerick und Clemens Brentano bildet. Lässt fast schon spürbar eine mystische Spannung im Raum entstehen, ohne dabei weltentrückt oder unglaubwürdig zu wirken.
Mit der Verpflichtung der beiden Hauptdarsteller, in den Personen von Tanja Schleiff und Misel Maticevic gelingt es, dem Film eine angenehme Natürlichkeit zu erhalten, die trotz aller Mystik und metaphysischen Ausprägungen, durch deren Darstellung bewahrt bleibt. Beachtenswert und von hoher Wirkung in der Aussagekraft der Bilder, zeigen sich der Einsatz und die Arbeit von Michael Wiesweg an bzw. hinter der Kamera im Film. Durch eine ständige wechselnde Ansicht aus der Totalen hin zum Porträt, erlebt das Bild eine nie enden wollende Eigendynamik, die sich immer mehr wachsend, auf die Stimmung der Entwicklung der sich dramatisch gestaltenden Ereignisse und Erzählweise der Filmhandlung auswirken.
Von der technischen Seite gesehen, kann das Bild dieser DVD mit guten Werten in der Qualität der Bilder punkten. Natürliche und kräftige Farben fügen sich äußerst harmonisch in die Grundstimmungen der Bilder ein. Dabei ermöglichen gute Einstellungen im Kontrast und in der Schärfe eine höchst detaillierte Ansicht der Bilder dieser Produktion. Im gewählten Bildformat 16:9 anamorph, zeigen sich während der ca. 110 Minuten dauernden Laufzeit der DVD, keine auffallenden Mängel in der analogen oder digitalen Bildbearbeitung. Lediglich ein eher selten bemerkbares leichtes Bildrauschen fällt ab und an ein wenig auf.
Passend der Filmreihe "Grosse Geschichten" gestaltete DVD-Menüs ermöglichen einen gezielten und einfachen Zugriff auf die Auswahlmöglichkeiten der DVD. Neben dem Hauptfilm gibt es ein sehr informatives und interessant gestaltetes "Making of" mit einer ungefähren Laufzeit von 23 Minuten. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sich den gesamten Film mit einem begleitenden Audiokommentar durch den Regisseur Dominik Graf anzusehen bzw. zu hören.
Tonbewertung Neben der schon erwähnten Möglichkeit der Nutzung des Audiokommentars von Dominik Graf, befindet sich ein stimmungsvoller deutscher Dolby Digital 2.0 Ton auf der DVD. Er präsentiert sich in guter Verständlichkeit während der Dialoge im gesamten Film. Erwähnenswert beim Ton ist unbedingt die zum Einsatz kommende, sehr gelungene Musik von Sven Rossenbach und Florian van Volxem. Mal aufwühlend, dann wieder sanft, fast zärtlich zurückhaltend erklingen Spinett-Töne und tragen in ihrer fast mystisch klingenden Art mit zum sehr authentisch wirkenden Flair im Ton dieser Produktion bei. Kein Rauschen oder sonstige Mängel beeinträchtigen den Ton in seiner Qualität. Schade, dass auf dieser Veröffentlichung keine Untertitel Platz gefunden haben.
Gesamturteil: Eine überwältigende und wahrlich gut gemachte Verfilmung eines geschichtlich in seiner Existenz belegten Ereignisses unter der Regie von Dominik Graf. In einer faszinierenden, nicht zu klassifizierenden Form der Verfilmung, kommt hier eine beachtenswerte DVD, in der Reihe "Grosse Geschichten" durch "ARD-Video" in die Veröffentlichung.