Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box "GG 11: Heldenfrühling".
Inhalt Der Berliner Tschaikowsky und der Österreicher Gallus sind noch keine sechzehn Jahre alt, als sie in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs als "Volkssturmgrenadiere" in der österreichischen Provinz für den "Endkampf" rekrutiert werden. In diesem Krieg, der nicht der ihre ist, verfolgen die beiden Freunde nur zwei Ziele: Sie wollen unter allen Umständen überleben, und - was beinahe wichtiger ist - sie willen das ihnen bisher verborgen gebliebene "Geheimnis der Liebe" entdecken bevor es zu spät ist. Die chaotischen Umstände der letzten Kriegstage machen dies jedoch zu einem schwierigen Unterfangen...
Darsteller: Oliver Korittke, Gottfried Neuner, Franz Morak
Verpackung: Digipak
In der Reihe "Grosse Geschichten" veröffentlicht "ARD-Video" mit der elften Box innerhalb der Reihe, den 1990 entstandenen Spielfilm "Heldenfrühling". Die Gemeinschaftsproduktion zwischen dem ZDF, dem ORF und SRG wurde durch die österreichische "Satel-Film" produziert.
Dieser Film überzeugt vor allem mit seiner sehr gelungenen Inszenierung und der erfrischend gespielten und überzeugenden Leistung seiner Darsteller. Er zeigt sich trotz des eigentlich ernsten Grundthemas der Rekrutierung von halben Kindern aus der Hitlerjugend für den Endkampf, in den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkriegs, innerhalb der Verfilmung, dennoch mit einer gehörigen, äußerst gelungenen Dosis Humor in sich.
Der Buchautor des Films, Oliver Storz, äußerte sich sehr treffend und passend zu der von ihm für den Film erzählten Geschichte und der Zeit in der sie spielt, mit den Worten "ein Stück der eigenen Biografie, aus der zu erzählen mir nicht gelingt, ohne dass es komisch wird, auch da, wo’s eigentlich ganz schön ernst war, sozusagen todernst". Weiter meint der Buchautor Oliver Storz, dass sich Komik "ja immer aus einer Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirkung, zwischen subjektiver und objektiver Sicht" entwickelt. "Das gilt besonders für heroische Zeiten wie die des Kriegsendes 1945".
Der Grimme-Preisträger Oliver Storz hat in seiner beruflichen Laufbahn für unzählige Film- und Fernsehproduktionen die Bücher geschrieben und zum Teil auch die Regie geführt. Serien, wie die der "Raumpatrouille-Raumschiff Orion" und "Die Magermilchbande" oder auch "Im Schatten der Macht", über die Zeit der letzten 14 Tage vor dem Rücktritt des Bundeskanzlers Willy Brandt, sind wirklich nur einige seiner zahlreichen Werke.
Die Regie für den Film "Heldenfrühling" lag in den Händen von Michael Kehlmann, der in den Jahren von 1987 bis 1990 Hauptabteilungsleiter beim Fernsehspiel im ORF war, aber bereits zuvor mit der 1956 entstandenen Verfilmung des "Radetzkymarsch" nach dem Roman von Joseph Roth oder 1983 mit "Mich wundert, dass ich so fröhlich bin" nach der Buchvorlage von Johannes Mario Simmel, von sich reden machte.
Eine Freude ist es, das Spiel der Darsteller zu erleben. Alle Rollen sind hervorragend besetzt und überzeugen. Mir besonders im Gedächtnis blieben u.a. die beiden Hauptdarsteller Oliver Korritke als "Tschaikowsky" und Gottfried Neuner als "Gallus", die in der Darstellung ihrer Rolle, als noch nicht einmal 16jährige in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, viel lieber das "Geheimnis der Liebe" lüften möchten, als sich in lebensgefährlichen Situation als Kanonenfutter für den Endsieg verheizen zu lassen. Voller Neugier nehmen sie da gerne so "tiefgreifende" Aussagen wie "Die Frau muss schielen. Dann weißt du, dass du gut warst beim Sex" von ihren Kameraden an. Gerade oder besonders die zum Teil noch recht kindlich anmutende Wissbegierde und Naivität der beiden Hauptdarsteller ist es, die die Sinnlosigkeit und das ganze menschenverachtende Antlitz dieses Krieges überdeutlich entlarvt und zeigt. Ein weiteres Highlight der Verfilmung ist die durch Franz Morak gespielte Rolle des couragierten Feldwebels, mit seinen oft doch schon recht makaberen Verhalten und Ansichten.
Das Bild der DVD zeigt sich während seiner Laufzeit von ca. 115 Minuten im Format 4:3 (1,33:1), in zumeist gut ausgeprägten Werten und Einstellungen beim Kontrast und in der Schärfe der Bilder. Die Farben zeigen sich in kräftigen und natürlich wirkenden Ausprägungen und Nuancen. Das Bildrauschen hält sich relativ unauffällig, wenig bemerkbar, während der Wiedergabe von der DVD im Hintergrund zurück.
Passend zur Filmreihe "Grosse Geschichten" gestaltete und übersichtlich zu bedienende DVD-Menüs ermöglichen einen einfachen Filmstart sowie das Aufrufen einer Kapitelauswahl. Neben einer Trailershow zu weiteren Veröffentlichungen von "ARD-Video", gibt es keine weiteren Extras auf dieser Veröffentlichung.
Tonbewertung: Auf der DVD liegt der Ton zum Film im Dolby Digital 2.0 vor. Der Ton ist in guter Qualität und ermöglicht ein müheloses und stetiges Verfolgen der Dialoge. Die den Hauptton umgebenden Neben- und Hintergrundgeräusche sind harmonisch in den Gesamtton eingefügt. Sie wirken nie überzeichnet oder deplaziert. Störende Geräusche im Ton fielen mir während der Wiedergabe der DVD nicht auf. Untertitel für Gehörlose oder Hörgeschädigte fehlen leider bei dieser Veröffentlichung.
Gesamturteil: Die von "ARD-Video" in der Reihe "Grosse Geschichten" veröffentlichte Box 11 mit dem Film "Heldenfrühling" überzeugt mit seiner sehr gelungenen Inszenierung und der erfrischend gespielten und überzeugenden Leistung seiner Darsteller. Ein wunderbar unterhaltendes und nie langatmiges Werk, das äußerst gelungen und treffend die Sinnlosigkeit und das ganze menschenverachtende Antlitz des Krieges überdeutlich entlarvt und zeigt.