Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box "GG 20: Das Haus in der Karpfengasse".
Inhalt Ganz gewöhnliche Menschen des Alltags, Bewohner eines beliebigen Hauses in Prag, werden zu Opfern des unmenschlich agierenden Nazi-Regimes.
Am 15. März 1939, als die Truppen Hitlers in die "Goldene Stadt" Prag einziehen, beginnt das Verhängnis für die Bewohner des Hauses Karpfengasse 115. Sie müssen ihre gewohnte Lebensweise aufgeben. Aus der Geborgenheit des privaten Alltags gerissen, steht jeder von ihnen plötzlich vor der Entscheidung, wie er mit der Katastrophe umgehen soll.
Darsteller: Edith Schultze-Westrum, Frantisek Filipovsky, Ladislav Kriz
Verpackung: Digipak
Bildbewertung: Die nunmehr mit dem Dreiteiler "Das Haus in der Karpfengasse", durch "ARD-Video" unter "Euro-Video" zur Veröffentlichung kommende DVD-Box, ist die bereits zwanzigste innerhalb dieser sehr gelungenen Reihe mit dem Namen "Grosse Geschichten".
Im Rückblick auf die bisher in dieser Reihe veröffentlichten filmischen Schätze und Kostbarkeiten vergangener Tage, ein passender Anlass, auch mal ein Danke an die Macher hinter dieser Reihe zu richten. Die Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe bieten genau das, was sie in ihrem Namen verspricht, wahrhaft "Grosse Geschichten" und das bei jeder Box immer wieder aufs Neue, mit abwechslungsreichen Geschichten und Verfilmungen, die geprägt sind von einem höchst ansprechenden Niveau und einer geradezu überwältigenden, in den Bann ziehenden, Einzigartigkeit.
So ist auch die mit dieser Veröffentlichung nun endlich auf DVD erscheinende, 1963 entstandene Literaturverfilmung von "Das Haus in der Karpfengasse", nach dem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1958 von M.Y. Ben-Gavriel (1891-1965), wiederum ein Beweis, für die hohe thematische und inhaltliche Qualität der Veröffentlichungen innerhalb der Reihe "Grosse Geschichten". Die erzählte Geschichte in ihrer bildgewaltigen Präsens und temporeichen Szenenfolge über "Das Haus in der Karpfengasse", hat mich tief beeindruckt und sich in meinen Gedanken festgesetzt. Der Film und die Geschichte sind geprägt von einer unglaublichen Kraft in ihrer Aussage und Sprache der Bilder, geradezu einem Aufschrei in seiner erzählten Geschichte.
Beinahe wie beiläufig erzählt, schafft es der Regisseur Kurt Hoffmann (1910-2001), in diesem durch die "Independent Film GmbH" produzierten Dreiteiler, der erstmals im März 1965 bei der ARD zu sehen war, die mit dem Einmarsch Hitlers Truppen am 15. März 1939 in die "Goldene Stadt" Prag beginnende und sich immer mehr steigernde Eskalation, bis hin zur Katastrophe, zu zeigen. War der Regisseur Kurt Hoffmann zuvor eher durch seine Arbeiten und Filme für das heitere Genre bekannt ("Quax, der Bruchpilot", "Kohlhiesels Töchter", "Das Wirtshaus im Spessart" u.v.a.), gelang ihm mit der Verfilmung von "Das Haus in der Karpfengasse", auch Dank des stimmig geschriebenen Drehbuchs von Gerd Angermann, ein überzeugendes filmisches Werk.
Dabei steht "Das Haus in der Karpfengasse", über deren Bewohner und ihrer Schicksale in diesem Film erzählt wird, eher nur exemplarisch und symbolisch für abertausende Einzelschicksale in jener Zeit. Einer Zeit in der die Menschen aus ihren gewohnten Lebensrhytmus und der geglaubten Sicherheit ihres privaten Daseins gerissen werden und bald um ihre blanke Existenz kämpfen und um ihr Leben bangen müssen.
Eine beeindruckende Darstellerliste, mit vielen der ganz Großen Mimen jener Zeit, wie zb. Edith Schultze-Westrum (1904-1981), Wolfgang Kieling (1924-1985), Helmut Schmid (1925-1992), František Filipovský (1907-1993) u.v.a.m., lassen allein schon beim Lesen selbiger, Vorfreude auf das zu erwartenden cineastische Erlebnis aufkommen. So verwundert es auch nicht, das in der Verfilmung wirklich jede der Rollen, bis hin zur kleinsten Nebenrolle, bravourös und überzeugend, voller ehrlich wirkender Authentizität, in ihrer Darstellung sind.
Überrascht war ich, in Anbetracht des weit über vierzig Jahre zurückliegenden Produktionsdatums der Verfilmung, von der im Verhältnis gesehenen, guten bildlichen Qualität von den drei DVDs der Veröffentlichung. Im Bildformat 4:3 Vollbild (1.33:1), bei einer Gesamtlaufzeit von ca. 270 Minuten, kommt ein kraftvolles und sattes Schwarz-Weiß-Bild in gut gewählten Einstellungen beim Kontrast und in der Schärfe zur Ansicht. Nur selten fallen kleinere Verschmutzungen oder mechanische Beschädigungen am Filmmaterial auf. Nicht erwähnenswert, da kaum zu bemerken, hält sich das sonst bei so alten Filmen zu bemerkende Bildrauschen, fast vollständig und unauffällig im Hintergrund zurück.
Bei der Gestaltung der DVD-Menüs, wurde der bereits aus vorhergehenden Veröffentlichungen in dieser Reihe der "Grossen Geschichten" bewährte Stil übernommen. So bietet auch diese Veröffentlichung ein wiederum stimmiges und übersichtliches, einfach zu bedienendes Menü. Auf jeder der drei DVDs findet sich eine Folge der Trilogie, die direkt zur Wiedergabe gestartet werden kann. Ebenfalls mit dabei in den Menüs der DVDs, findet sich eine Kapitelauswahl zu den einzelnen Folgen. Extras, außer einigen Trailern, zu weiteren Veröffentlichungen aus dem Hause "ARD-Video", finden sich keine auf dieser DVD-Box.
Tonbewertung: Wie schon beim Bild versteht es auch der von den DVDs dieser Veröffentlichung angebotene deutsche Ton im Format Dolby Digital 2.0 positiv zu überraschen und zu gefallen. Er ist stets verständlich und ohne größere auffallende Mängel oder Fehler in sich. Beachtenswert und geradezu die Bedeutung und Wirkung der Musik in einer Verfilmung als Paradebeispiel untermauernd, kommt die sehr gelungene und die Filmhandlung in ihrer Dramaturgie und Inszenierung unterstützende Filmmusik von Zdenka Liška zu Gehör. Untertitel fehlen auf dieser sonst sehr gelungenen Veröffentlichung leider.
Gesamturteil: ARD Video veröffenlicht mit diesem Release die mittlerweile 20. DVD innerhalb der Reihe Grosse Geschichten "Das Haus in der Karpfengasse" ist eine sehr zu empfehlende Verfilmung. Auch hier wieder eine deutliche Kaufempfehlung.