Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box
"Grosse Geschichten 02: Rätsel der Sandbank".
Inhalt
Herbst 1904: Flottenaufrüstungen in England und Deutschland werfen den Schatten des Ersten Weltkrieges voraus. Was suchen die beiden Engländer Davies und Carruthers zu dieser Zeit auf der deutschen Nordsee? Warum bringen sie sich und ihr Boot "Dulcibella" in Gefahr?
Auf Norderney lernt Davies den reichen Kaufmann Dollmann kennen, angeblich ein Schwede. Davies lasst sich von Dollmanns Yacht "Medusa" durch das ostfriesische Watt lotsen - und kommt fast ums Leben. Ein Mordversuch?
Davies und Carruthers geraten in einen Strudel mysteriöser Ereignisse. Macht Dollmann gemeinsame Sache mit den Deutschen gegen England? Davies verliebt sich in Dollmanns verführerische Tochter Clara. Benutzt Dollmann sie nur als Werkzeug - gegen wen? Und welche Rolle spielt Fregattenkapitän von Brüning im Komplott...?
Darsteller: Peter Sattmann, Burghart Klaußner, Gunnar Möller
Verpackung: Digipak
Bildbewertung Die zweite Veröffentlichung in der Reihe "Grosse Geschichten" durch "ARD-VIDEO" bringt eine beeindruckende Literaturverfilmung eines Buchs des irischen Schriftstellers und Politikers Robert Erskine Childers (1870-1922). Der Roman, erstmals veröffentlicht im Jahr 1903, mit dem im Original lautenden Titel "The Riddle of the Sands", gilt als einer der ersten Spionageromane. Der Autor, selber ein begeisterter Segler mit mehreren eigenen Booten, wusste genau über was er schrieb, als er in seinem Roman die Abenteuer der beiden Segler Carruthers und seines Studienkollegen Davies, vor den ostfriesischen Inseln in der Nordsee erzählte. Schon fast mystisch und unheimlich prophezeit er in seinem Roman bereits 1903, die Gefahr eines Seeangriffs auf die englische Küste und einen bevorstehenden Krieg mit Deutschland. Das mit solch einer Eindringlichkeit und Überzeugung, dass nach Aussage von Winston Churchill (1874-1965), die britische Admiralität aufgrund dieser Prophezeiung einige militärisch und strategisch bedeutsame neue Stützpunkte einrichten ließ.
In seiner Verfilmung hält sich die Produktion der "Multimedia" Film- und Fernsehproduktion GmbH, die im Auftrag von NFW-Bremen (Radio Bremen Werbung) und Radio Bremen entstand, nicht immer genau an die Romanvorlage. Der Regisseur Rainer Boldt begründet diese Entscheidung bei der Verfilmung mit der Notwendigkeit, neue erzählerische Wege zu gehen, um die gleiche Wirkung der Geschichte beim Film, wie im Roman zu erzielen. Überzeugend und sehr passend die Darstellung der beiden damals noch wenig bekannten Hauptdarsteller Peter Sattmann und Burghart Klaußner. Mit Gunna Möller in der Rolle des reichen Kaufmanns, spielt ein damals schon recht bekannter und populärer Darsteller in dieser Produktion mit. Isabell Varell singt den Titelsong und spielt in der Serie die Rolle der Clara Dollmann.
Die Produktion der 10teiligen Serie mit ihren je ca. 50 Minuten dauernden Episoden, erforderte eine über zwei Jahre andauernde intensive Vorbereitung. Ein Team von über 40 Leuten war fast 6 Monate, unter zum Teil widrigsten Bedingungen mit den Dreharbeiten beschäftigt. Nach Abschluss der Dreharbeiten äußerte Hanns Menninger (1937-2002), Autor, Regisseur und Koordinator des Dritten Fernsehprogramms bei Radio Bremen, in einem Gespräch mit dem Regisseur Rainer Boldt die Aussage: "Wenn wir alles so genau vorher gewusst hätten, hätten wir die Serie wahrscheinlich nie in Angriff genommen"
Zum Glück, muss man sagen, hat es keiner zuvor gewusst und so ist eine der symbolträchtigsten und aussagekräftigsten Serien über die harte, aber zugleich auch beschauliche und wunderschöne norddeutsche Wattenlandschaft entstanden. Die Bilder bringen in ihrer herben Schönheit, voller Kraft und Einzigartigkeit, die Stimmung der See und Landschaft der Gegend in die Stube des Zuschauers. Der Film war für die Produktion nach Aussage des Regisseurs mit nur bescheidenen Mitteln ausgestattet. Dieser Umstand und sicher auch die seit der Produktion 1984 zurückliegenden Jahre, sind nicht spurlos an der Qualität der Bilder auf dieser Veröffentlichung vorbei gegangen. Des öfteren macht sich im Bild eine Rauschbildung und gewisse Grobkörnigkeit bemerkbar. Dadurch werden die schon etwas schwach ausgeprägt vorhandenen Werte beim Kontrast und in der Schärfe noch auffälliger gezeigt. Auffällig sind auch die zum Teil auftretenden Verschmutzungen und unruhigen Bildstände bis hin zum Flimmern in größeren Flächen im Bild. Die Farben zeigen sich zumeist recht natürlich, wirken aber zum Teil etwas verfremdet, als sei durch spezielle Filter gefilmt worden.
Die DVD-Menüs sind übersichtlich und schlicht gehalten. Sie ermöglichen ohne Schwierigkeiten das Starten der Wiedergabe der einzelnen Folgen. Ein Kapitelmenü wird nicht zur Ansicht angeboten, aber es ist möglich, Kapitelsprünge in der Wiedergabe der Folgen zu tätigen. Als Extra gibt es auf der vierten DVD einen ca. 4 Minuten dauernden Bericht über die Dreharbeiten zur Serie.
Tonbewertung Ein zumeist verständlicher Dolby Digital 2.0-Ton wird von den DVD`s dieser Veröffentlichung angeboten. Ein Großteil der Tonaufnahmen, besonders Aufnahmen auf See und die Außenaufnahmen, mussten aufgrund der schlechten und erschwerten Bedingungen während des Drehs, im Studio nachträglich neu erstellt bzw. synchronisiert werden. Klanglich wirkt der Ton etwas gedrungen und zum Teil auch etwas flach und farblos.
Gesamturteil: Eine Geschichte, die auch mit ihrer von der Romanvorlage abweichenden Erzählweise und Umsetzung zu gefallen versteht. Die Bilder zeigen, wenn auch mit kleineren altersbedingten Mängeln, in gelungener Art das wahre Gesicht der norddeutschen Wattenlandschaft, mit seinen harten, aber auch wunderschönen Eigenheiten und Prägungen. Eine anspruchvolle Verfilmung, die zu Recht einen Platz in der Reihe der "Grossen Geschichten" unter der Veröffentlichung durch ARD-Video verdient.