
Motzki - Die komplette Serie

Inhalt
Für Friedhelm Motzki ist der Tag der deutschen Einheit ein Katastrophentag. Er kann die Ossis nicht ausstehen!
Der ehemalige Fahrlehrer lebt im West-Berliner Arbeiterbezirk Wedding. Seine Frau Doris verstirbt gemeinerweise und lässt den Frührentner allein im überfremdeten Berlin mit dem Zonenpack am Hals zurück. Edith, die Schwester seiner teuren verstorbenen Frau, kommt aus dem Osten, ist arbeitslos und führt nun Motzki den Haushalt. Ein lauter und beharrlicher Zweikampf beginnt. Die störende Dritte im Bunde ist Elvira aus Bonn, Cousine seiner Frau und verheiratet mit dem Pförtner vom Bundestags-Hintereingang, Einen Bewunderer hat Motzki allerdings: Der Gemüse-Türke Gülüsan , hat sich Motzki zum Vorbild auserkoren...
Anbieter: ARD Video
Genre: Tv-Serie,
FSK: 12
Laufzeit: 325 min.
Medien-Typ: 2 & DVD9
Verpackung: Keep Case
Bildbewertung
Wohl kaum eine andere Serie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sorgte durch ihre Ausstrahlung für soviel Gesprächsstoff und Kontroversen, wie die dreizehn Folgen der TV-Reihe "Motzki" von der vorliegenden DVD-Veröffentlichung durch "ARD Video".
Ein Blick auf den Autor dieser Serie, Wolfgang Menge, lässt Erinnerungen aufkommen. Genau er war es, nach dessen Büchern sich bereits Mitte der Siebziger mit "Ein Herz und eine Seele", eine der ersten Fernsehserien in Deutschland überhaupt, mit dem politischen Geschehen der damaligen Zeit in bissiger Ironie beschäftigte und auseinandersetzte.
Wie schon damals, sorgte auch die im Auftrag des NDR und WDR durch die "Filmpoll" produzierte Serie "Motzki", über den ewig nörgelnden und motzenden Frührentner und ehemaligen Fahrschullehrer Friedhelm Motzki (Jürgen Holtz), der gerade Witwer geworden ist und im Westteil von Berlin wohnt, für reichlich brisanten Diskussionsstoff bei den Zuschauern und Medien. Nicht wenigen gingen "Motzkis" zum Teil regelrechte Hasstiraden gegen die Ostdeutschen, die er auch gerne als "Zonendödel" bezeichnete, oder auch die gegen "Pollaken" und Ausländer, sowie seine Nachbarin "Der alternativen Körnerfresserin", dermaßen gegen den Strich, dass die sofortige Absetzung der Serie gefordert wurde. Ein Bayer stellte sogar beim Hamburger Verwaltungsgericht den Antrag auf eine einstweilige Anordnung, um die Ausstrahlung zu verbieten. Aber weder er, noch die von einigen Politikern damals geforderte Absetzung stoppte die Ausstrahlung dieser Reihe.
Dabei ist die Figur, des mit so ziemlich fast allen unangenehmen Vorurteilen und Klischees behafteten Hermann Motzkis, in seiner bitterbösen und cholerischen kleinbürgerlichen Art eine derart überzeichnete Witzfigur, dass sie sich eigentlich schon selber damit ins Abseits katapultiert. Als nach dem Tod seiner Frau die Schwägerin Edith (Jutta Hoffmann) aus dem Osten Berlins, eine ehemalige Erzieherin aus einem Kindergarten der Stasi, ihm zur Hilfe kommt, um ihn bei der Regelung der Nachlassangelegenheiten und im Haushalt zu helfen, ist da bereits der Streit und Ärger mit Motzki vorprogrammiert. Sie muss fortan seine Sprüche ertragen, versteht es aber immer wieder, mit ihrer ironischen und pfiffigen Art, Motzki als den verbiesterten "Besserwessi", mit all seinem sinnlosen Geschwätz, zu entlarven. Als anlässlich der Beerdigungsfeier noch Ediths ziemlich unterbelichtete Cousine Gisela Klipschitz (Eva Mattes) aus Bonn, deren Mann Pförtner am Hintereingang des Bundestages in Bonn ist, anreist, findet Motzki in ihr ein weiteres willkommenes Opfer für seinen bissigen, unter die Gürtellinie gehenden Spott. Nur der der türkische Gemüsehändler Gülüsan Ükzknürz (Albert Kitzl) sieht in Motzki doch tatsächlich eine Art Respektsperson und Idealbild eines typischen Deutschen und dass, obwohl auch hier Motzki natürlich alle gängig bekannten Klischees und Vorurteile über Türken in seinen Äußerungen bedient, die es gibt.
Die Serie hat mit ihrem Erscheinen auf DVD, im neunzehnten Jahr nach dem Fall der Mauer, nichts an Unterhaltungswert und witziger Ironie verloren. Eigentlich schade, dass damals trotz der durchaus beachtlichen Einschaltquoten von bis zu zehn Millionen Zuschauern pro Folge, nach nur einer Staffel und dreizehn Folgen Schluss war. Der heutigen Fernsehlandschaft mit ihren Castingshows, oft mehr als platten Comedyformaten und sonstigen eher zum Gähnen animierenden Sendeformaten, würde ein Sendeformat wie "Motzki" sehr gut tun.
Die bildliche Qualität von den beiden DVDs mit ihrer Gesamtlaufzeit von ca. 325 Minuten im Bildformat 4:3 (1.33:1), befindet sich in etwa auf dem von der Sendung im TV bekannten Niveau. Die Farben sind kraftvoll und ausgewogen in natürlichen Tönen zu sehen. Der Kontrast kommt sehr kräftig zur Geltung, was ab und an, in einigen Szenen, einen etwas "harten" Bildeindruck entstehen lässt. Die Einstellungen bei der Schärfe sind zumeist recht gut gewählt und geben so kaum Grund zur Kritik. In einigen Szenen wirken die Innenaufnahmen der zur Ansicht kommenden Bilder etwas dunkel und schlecht ausgeleuchtet, was aber nun kein so gravierendes Manko ist, dass einem dadurch das Ansehen der Serie verdorben wird. Unruhen oder Bildrauschen fallen nicht übermäßig auf. Abschließend gewertet, kann die Bearbeitung und Umsetzung beim Bild für das Medium DVD, als gelungen gewertet werden.
Das DVD-Menü auf den beiden DVDs dieser Veröffentlichung ist mit Animationen und Soundeffekten in seiner Gestaltung gelungen und übersichtlich gehalten. Jede der insgesamt dreizehn Episoden kann einzeln zur Wiedergabe angewählt werden. Etwas vermisse ich die Möglichkeit, alle Folgen einer DVD "am Stück", also ohne Unterbrechung nacheinander abspielen zu können. Ein Kapitelmenü kommt nicht zur Ansicht, die jeweils ca. 25 Minuten dauernden Folgen haben nur einen Marker zum Anfang und Abspann/Ende der jeweiligen Folge. Außer einigen Trailern zu weiteren Veröffentlichungen auf DVD, finden sich keine weiteren auf den DVDs dieser Veröffentlichung.
Tonwertung
Ein sehr gut verständlicher deutscher Ton im Dolby Digital 2.0 kommt von den beiden DVDs dieser Veröffentlichung zu Gehör. Er zeigt keine Auffälligkeiten oder Mängel in sich und besitzt gut ausbalancierte und gemischte Höhen und Tiefen. Untertitel werden leider keine angeboten.
Gesamturteil:
Wer kein Problem mit den derben stark überzeichneten Gags hat, wird an dieser Serie seine wahre Freude haben. Die Alltagsgeschichten, die sich neben dem aufgezeigten Hauptthema, dem Zusammenwachsen und täglichen Einerlei nach der Euphorie der Wiedervereinigung befassen, zeigen aber auch geradezu exemplarisch Kleinbürgertum und all die kleinen Macken der Menschen in Ost und West dieser "Bunten Republik Deutschland". Diese Veröffentlichung durch "ARD Video" bietet auch so viele Jahre nach der Erstsendung noch immer, Top-Aktuelle und bestens unterhaltende TV-Serienkost mit wunderbar bitterbösem satirischem Humor. Top-Empfehlung !
Autor: Torsten
Ein ARD Video Produkt.
