Strassenfeger 12: Das unsichtbare Visier - Folge 01-08
Dank der freundlichen Unterstützung von ARD Video hier nun eine Rezension der DVD Box
"Strassenfeger 12: Das unsichtbare Visier - Folge 01-08".
Inhalt Unter dem Decknamen Achim Detjen spioniert Stasi-Agent Werner Bredebusch imperialistische Verschwörer aus. Getarnt als gefallener Jagdflieger in der BRD, setzt er sich tödlichen Gefahren aus. Er ist einer Organisation in Südamerika auf den Fersen, die deutschen Naziverbrechern Unterschlupf gewährt. Um Pläne über Atomraketen aufzudecken, schleust er sich unter lebensbedrohlichen Umständen in die Bundeswehr ein. Kühn und gewitzt umgeht der Ost-James-Bond geschmeidig die Fallen der Westmächte. Er benutzt häufiger seinen Verstand als seine Fäuste. Einen Fiesling gibt es nicht. Das Böse ist ein System aus Faschisten, Rüstungsfanatikern und CIA-Spitzeln. Der Kalte Krieg, einmal aus DDR-Regime-Sichtweise betrachtet, macht die Story aus heutiger Sicht umso spannender.
Darsteller: Armin Mueller-Stahl, Jessy Rameik, Wolfgang Greese
Regie: Peter Hagen
Verpackung: Digipak
Endlich hat man erkannt, welch wahre Schmuckstücke in den Film- und Fernseharchiven auch aus Zeiten der DDR lagern und startet in und mit der Reihe, unter dem Titel "DDR TV-Archiv", deren Veröffentlichungen auf DVD. Als einer der ersten Titel in dieser neu aufgelegten Reihe, erscheint die DDR-Kultserie "Das unsichtbare Visier" mit seinen ersten acht Folgen, unter der Veröffentlichung und dem Vertrieb von "Studio Hamburg" und "AL!VE" in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv und "rbb-media". Zugleich wird mit dieser elften DVD-Box die Erfolgsgeschichte der Reihe "Straßenfeger", wie sie vom Studio Hamburg selbst betitelt wird, mit der "Phase 2" fortgesetzt. Im Untertitel heißt es "Vom Kammerspiel zum Krimireißer". Sieht man die Vorschau der geplanten Veröffentlichungen für die nächsten Monate, darf man sich schon jetzt auf einige sehr interessante Filme und Serien der "Straßenfeger-Ära" freuen, die ihren Weg auf DVD finden werden.
Am 23.12.1973 war es soweit und eine der bis dahin wohl aufwendigsten durch das Fernsehen der DDR produzierten TV-Serien, ging mit der ersten Folge an den Start. Für die Produktion der ersten Folge wurden damals ungefähre drei Millionen DDR-Mark und ganze 115 Tage Drehzeit in der Planung veranschlagt. Für die kleine DDR eine gewaltige Kraftanstrengung und Mühe, aber schließlich sollte mit dieser Serie auch das bei der Bevölkerung arg in Mitleidenschaft geratene Ansehen des Ministeriums für Staatssicherheit wieder in ein besseres Licht gesetzt werden. Unter dieser Vorgabe produziert, darf es dann schon beinahe als ein Glücksfall angesehen werden, dass dennoch eine derart spannende und bestens unterhaltende Serie entstanden ist.
Die im Zusammenhang mit Veröffentlichung dieser Box so oft zu hörende Bezeichnung für die Serie als "James Bond des Ostens", hören weder die Macher der Serie selbst noch die vielen Liebhaber sonderlich gerne. Sind die Geschichten von James Bond meist eher rein imaginier, so beruhen die Inhalte beim "Unsichtbaren Visier" sehr oft auf Tatsachen mit einem hohen Bezug zur damaligen Realität und politischen Lage.
Inhaltlich bieten die von dieser Veröffentlichung zu sehenden acht, nach den gleichnamigen Romanvorlagen von Herbert Schauer und Otto Bonhoff produzierten Folgen, einen gekonnt in Szene gesetzten Mix aus Spionage und Krimiserie. Angesiedelt inmitten einer Zeit des kalten Krieges, begleiten wir "Werner Bredebusch" (Armin Mueller-Stahl), der sich als Agent für das Ministerium für Staatssicherheit anwerben lässt. Fortan ist er im Auftrag des "MFS" mit der Identität des gefallenen Wehrmachtsoffiziers und Fliegers "Achim Detjen" gegen das "imperialistische Böse und seine Verschwörer" unterwegs. Bis nach Südamerika, hin zu sich dort versteckenden Altnazis und erneute Kriegstreiber führen "Detjen" seine Aufgaben. Rüstungsfanatiker und CIA-Spitzel, aber auch schöne Frauen kreuzen seinen Weg im Kampf gegen geplante Atomraketen und Gegner der DDR. Gerade die weit mehr als dreißig seit der Produktion vergangenen Jahre und die geschichtliche und politische Entwicklung, machen noch einen zusätzlichen und ganz besonderen Reiz beim Ansehen dieser aus Sicht der DDR erzählten Serie aus.
Unter Regie von Peter Hagen spielt hier ein meiner Meinung nach überzeugendes und stimmig agierendes Ensemble an Darstellern auf. Allen voran natürlich Armin Mueller-Stahl als "Werner Bredebusch" alias "Achim Detjen". Eigentlich sollte zunächst Giso Weißbach diese Rolle spielen. Schließlich fiel die Wahl dann doch aufgrund des Alters des zu verkörpernden Rollen-Charakters auf Armin Mueller-Stahl. An seiner Seite viele andere große und bekannte Namen wie Alfred Struwe, Maja Dragomanska, Jessy Rameik, Marion van de Kamp oder auch Günter Grabbert, um hier nur einige wenige zu nennen.
Auf dem Pappschuber in Hochglanzoptik wird die Gesamtlaufzeit der insgesamt vier DVD in zwei Digipacks mit 609 Minuten, zuzüglich der umfangreichen Extras, angegeben. Positiv überraschte mich das im Format 4:3 zur Ansicht kommende Bild von den DVDs dieser Veröffentlichung. Ganz leugnen lassen sich die mehr als dreißig vergangenen Jahre seit Produktion der Reihe nicht, aber gemessen an diesen Jahren, kann das Bild wirklich als gelungen gewertet werden. Die Farben in den zu sehenden Bildern sind von akzeptabler Intensität. Trotz zum Teil, leichter Schwächen in ihrer Natürlichkeit und Brillanz, sind sie als durchaus stimmig und gut ausgeprägt zu beurteilen. Bildrauschen und Unruhen machen sich hin und wieder etwas verstärkt, zumeist aber nur wenig und auf keinen Fall auffällig oder gar störend bemerkbar. Die Einstellungen bei der Schärfe und für den Kontrast präsentieren sich in gut gewählten mittleren Werten. Wieder einmal haben hier die Techniker das Mögliche machbar gemacht und eine spürbare Verbesserung, gegenüber den mir im Gedächtnis gebliebenen Ausstrahlungen im Fernsehprogramm vergangener Jahre, erzielt.
Wie schon bei den vorhergehenden Veröffentlichungen innerhalb der Reihe "Straßenfeger", wird der Stil in der Gestaltung der DVD-Menüs beibehalten. So sind auch hier die DVD-Menüs wieder sehr übersichtlich, passend und gut zu bedienen. Auf jeder der vier DVDs finden sich jeweils zwei Folgen der Reihe, welche einzeln zur Wiedergabe gestartet werden können. Ein Kapitelmenü kommt nicht zur Ansicht, jedoch sind in den Folgen Kapitelmarker gesetzt, die angewählt werden können.
Neben einigen "Programmtipps" zu weiteren DVDs aus "Phase 2" der Straßenfeger, finden sich auch noch einige Trailer zu weiteren Veröffentlichungen aus dem Hause "ARD-Video" auf den DVDs der vorliegenden Box. Von DVD eins kommt als Extra ein vom rbb produzierter ca. 9 minütiger Beitrag unter dem Titel "Hintergründe zum unsichtbaren Visier" zur Wiedergabe. In diesem erinnern sich einige der damals an der Produktion beteiligten Darsteller an diese Zeit. Mit "James Bond made in GDR" kommen neben vielen Szenenfotos und einigen Filmsequenzen ca. 33 Minuten lang die Stimmen zahlreicher an der Produktion Beteiligter zu Gehör, die sehr interessantes Hintergrundwissen um und über die Reihe vermitteln. Unter "Deutschland deine Künstler" wird in ca. 44 Minuten der Künstler Armin Müller-Stahl skizziert und sein beruflicher Werdegang vorgestellt.
Tonbewertung Ein für sein Alter recht frisch wirkender und zumeist auch sehr gut in seinen Dialogen verständlicher deutscher Ton im Dolby Digital 2.0, kommt von den DVDs dieser Veröffentlichung zu Gehör. Nur selten macht sich in ruhigeren Passagen das leichte Grundrauschen im Ton wenig auffällig bemerkbar. Die Titelmusik und Musik im Film stammt von Walter Kubiczeck (1931-2009) und wurde von der Gruppe "SOK" und dem DEFA-Sinfonieorchester unter Leitung von Manfred Rosenberg eingespielt. Schon bei der Erstausstrahlung der Reihe war die Musik ein derart großer Erfolg, dass diese als erste Filmmusik der DDR überhaupt, auf Langspielplatte erschien. Untertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose werden leider keine von den DVDs dieser Veröffentlichung angeboten.
Gesamturteil Für mich eine sehr gelungene und längst überfällige Veröffentlichung dieser Kult-Serie aus den Archiven der DDR. Technisch und auch in der Umsetzung gelungen, ist es eine Freude, diese Serie nun endlich auf DVD ansehen zu können wann immer man will. Kritisch anzumerken ist das Fehlen der Folge neun auf der vorliegenden DVD-Box, da diese den eigentlichen Abschluss der ersten Staffel bildet. Es ist zwar eine Fortführung der Reihe und somit auch Veröffentlichung der neunten Folge in Aussicht gestellt, jedoch gibt es bis jetzt (Stand November 2009) noch keine konkreten zeitlichen Angaben. So werden wohl viele Zuschauer zu Recht etwas verstimmt sein, wenn sie inmitten der Serie, kurz vor dem eigentlichen Finale, im Regen stehen gelassen werden. Auch wenn auf Nachfrage beim veröffentlichenden Label technische Gründe für das Fehlen der Folge angegeben werden, hinterlässt das ganze einen etwas faden und vor allem für die Zuschauer bitteren Nachgeschmack. Bis auf dieses Ärgernis, sonst eine Top-Empfehlung für diese DVD-Box unter der Veröffentlichung und dem Vertrieb von "Studio Hamburg" und "AL!VE", in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv und "rbb-media".