Inhalt Die gekaufte Freiheit - Häftlingsfreikauf im geteilten Deutschland Es war eines der umstrittensten Geschäfte zwischen der BRD und der DDR. Von 1963 bis zur Wiedervereinigung wurden aus der DDR über 33.000 politische Häftlinge von Bonn freigekauft - gegen Diamanten, Erdöl, Südfrüchte und Devisen. Bis zur Wende wurde dieses deutsch-deutsche Geschäft als politisches Geheimnis behandelt. Machtkalkül und Menschenwürde, harter Poker und blindes Vertrauen, Geheimaktionen und Diplomatie, das sind einige der Zutaten, die zur Geschichte des Häftlingsfreikaufs gehören. Eine Mixtur geeignet für einen Politthriller, aber mehr als zweieinhalb Jahrzehnte realer Alltag im geteilten Deutschland.
Der Film lässt in zwei Teilen sowohl Betroffene als auch die Verhandlungsführer beider Seiten zu Wort kommen, u. a. Wolfgang Vogel, Rechtsanwalt aus Ost-Berlin, und Ludwig Rehlinger, seinen Bonner Gegenspieler.
Anbieter: rbb media GmbH
Genre: Dokumentation
Ländercode : 0
Altersfreigabe : (FSK) o.A.
Laufzeit : 89 min.
Produktionsland : Deutschland
Produktionsjahr : 2008
Veröffentlichungstermine : 30.04.2009 [ Verkauf ]
Medien-Typ: 1 & DVD9
Bildformat(e): 4:3 (1:33) Vollbild
Tonformat(e): Deutsch Dolby Digital 2.0
Verpackung: Slim-Digi
Bildbewertung Mit Beginn des Jahres 2009 wird jeden Monat eine neue DVD dieser Reihe zur Veröffentlichung gebracht. In einer der Ausgaben wird sich auch ein gedruckter Stadtplan mit dem Verlauf der Mauer befinden.
Die Dokumentationen zeigen historische Originalaufnahmen, aber auch Interviews mit Zeitzeugen und aktuelle Bilder. So entsteht mit dieser Reihe ein Abbild der politischen Ereignisse während der 28 Jahre, zwei Monate und 28 Tage, welche die Mauer stand und darüber hinaus. Sie berichten über und zeigen menschliche Schicksale, geglückte und gescheiterte Fluchtversuche, Häftlingsfreikäufe und von der friedlichen Revolution in der DDR, sowie dem Beginn eines neuen Lebens nach dem Mauerfall.
Auf der vorliegenden vierten Veröffentlichung innerhalb dieser sehr gelungenen DVD-Edition, kommt die höchst interessante und beeindruckende zweiteilige Dokumentation "Die gekaufte Freiheit", vom Autor Jürgen Ast aus dem Jahr 2004, zur Ansicht.
In der ehemaligen DDR gab es über 80000 aus politischen Gründen inhaftierte Menschen. Ein bis zum Ende der DDR streng gehütetes Geheimnis war, dass von ihnen, im Zeitraum von 1963 bis zur deutschen Einheit, 33000 politische Gefangene durch die damalige Bundesregierung mit Sitz in Bonn, für eine Gesamtsumme von ca. 3,4 Milliarden Mark freigekauft wurden. Dabei liefen diese "Deutsch-Deutschen-Handelsgeschäfte", wie sie schon fast als zynisch zu bezeichnend von Seiten der DDR aus genannt wurden, zumeist über das KoKo-Imperium ("Kommerzielle Koordinierung") unter dem MfS-Obersten Alexander Schalck-Golodkowski.
Selbst noch heute hinterlässt der Gedanke dieses Menschenhandels und Tausch gegen Südfrüchte, Erdöl, Diamanten und Devisen u.a., ein unangenehmes und beklemmendes Gefühl beim Betrachter dieser Dokumentation. Deutlich bringen es auch die Zeitzeugen und ehemaligen politischen Gefangenen und Freigekauften in der Dokumentation mit den Worten "Man hatte das Gefühl, wie ein Stück Fleisch über die Theke geschoben zu werden" zum Ausdruck.
Welch ungeheuerliches infames Spiel der Macht, voller Kalkül und diplomatischer Ränkespiele hinter den Häftlingsfreikäufen steckte, versucht die zweiteilige bestens recherchierte Dokumentation zu zeigen.
Der erste Teil der Dokumentation beschäftigt sich mit dem Anbeginn und noch mit Bündeln voller Bargeld in den Händen, am Berliner S-Bahnhof Friedrichstraße stattfindendem Geschäft des Häftlingsfreikaufs im Jahr 1963 von acht Gefangenen, zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Im folgenden Jahr waren es dann schon mehr als 800 Menschen, die mit Bussen in geheimen Transaktionen, über die Grenze gebracht wurden. Selbst die "Bild-Zeitung" verpflichtete sich zum Schweigen gegenüber der Öffentlichkeit, als sie von den Häftlingsfreikäufen erfuhr. Für die DDR florierte das Geschäft unter der sozialliberalen Brandt/Scheel-Regierung hervorragend. Als im Jahr 1972, nach dem Wechsel des Staatsratsvorsitzenden der DDR von Ulbricht zu Honecker, durch Egon Bahr auf Basis des geschlossenen Grundlagenvertrags, der Versuch unternommen wurde die Häftlingsfreikäufe in geregelte Bahnen zu lenken, stoppte die DDR mit sofortiger Wirkung weitere Verhandlungen und Freikäufe. Zu sehr war der neue Staatschef Erich Honecker auf das Ansehen und den Ruf der DDR bedacht. Aber ganz verzichten konnte und wollte auch er nicht, auf das für sich für die DDR äußerst lohnende Geschäft mit dem Freikauf politischer Gefangener durch die BRD.
So zeigt der zweite Teil der Dokumentation den weiteren Verlauf der Geschichte der Häftlingsfreikäufe im geteilten Deutschland und schildert das legendäre Treffen zwischen Honecker und Herbert Wehner im Mai 1973, mit dem das "Geschäft" mit dem Freikäufen der politischen Häftlinge, wieder ins "Rollen" kam. Ab dem Jahr 1977 dann galt pro politischen Häftling eine feste Freikaufsumme von 95.847 DM, egal welche Ausbildung oder gesellschaftlichen Stand der Freizukaufende hatte. Zuvor wurden von Seiten des "Arbeiter- und Bauernstaates" DDR, größere Unterschiede in den Freikaufsummen gemacht, da waren dann ihre Arbeiter und Bauern nicht so viel wert wie zb. ein Arzt oder Ingenieur. Auch die Regierung unter Helmut Kohl hielt an den Geschäften fest und so erfolgte im Dezember 1989 der letzte Freikauf eines politischen Gefangenen aus den Gefängnissen der DDR.
Beide Dokumentationen zeigen zahlreiche höchst brisante und interessante Zeitdokumente filmischer und dokumentarischer Art in einen gekonnt und hervorragend dramaturgisch gestalteten Ablauf der Beiträge. Überwältigend und sehr oft emotional anrührend und bewegend die Aussagen der vielen Zeitzeugen und Gesprächspartner in den einzelnen Beiträgen. Neben dem für diesen Bereich prädestinierten Staranwalt Wolfgang Vogel aus der DDR, kommt auch sein Bonner Gegenspieler Ludwig Rehlinger, zu Wort. Politiker wie zb. Egon Bahr, Rainer Barzel, Wolfgang Schäuble bieten mit ihren Aussagen Einsicht und Blick hinter die Kulissen der Macht. Aber auch die Betroffenen selbst, die ehemaligen politisch Inhaftierten und Freigekauften, berichten über ihre bewegenden Schicksale und Erlebnisse.
Das Bild dieser DVD mit seiner Gesamtlaufzeit von ca. 89 Minuten und im Bildformat 4:3 Vollbild (1.33:1), unter rein technischen Maßstäben und Gesichtspunkten zu bewerten, wäre unangebracht und ist auch nicht in einer Gesamtaussage möglich. Zu unterschiedlich sind die zur Ansicht kommenden Bilder bei dieser Veröffentlichung. So sind den heutigen technischen Möglichkeiten entsprechende Bilder genauso zu sehen, wie über mehrere Jahrzehnte alte Filmaufnahmen oder Aufnahmen und Dokumente aus der Überwachungstätigkeit des MfS. Ein jeder wird sicher das Verständnis aufbringen, dass besonders die älteren Filmaufnahmen nicht mehr unseren heute gewohnten Standards entsprechen können. Sicher machen sich die mal mehr oder auch weniger vorhandenen Mängel in den Bildern bemerkbar. Aber viel wichtiger wie ein perfekt restauriertes Bild und Ton, sind doch die Zeitzeugnisse, die diese Aufnahmen in sich und ihrer Aussage haben und vermitteln.
In ihrer Gestaltung zeigen sich die Menüs der vorliegenden vierten Veröffentlichung in dieser Reihe, passend zu den bereits verlegten anderen DVDs. Nach Einlegen und dem Start der DVD, kommt ein Hauptmenü zur Ansicht, von welchen aus der gewünschte Teil dieser zweiteiligen Dokumentation zur Wiedergabe gestartet werden kann. Weiterhin können Untertitel zur optionalen Ansicht ausgewählt werden. Ein Kapitelmenü kommt nicht zur Ansicht, jedoch sind die Dokumentationen mit Kapitelmarkern versehen, die während der Wiedergabe der DVDs angewählt werden können. Als Extra findet sich leider nur der Trailer zur DVD-Edition "Die Berliner Mauer" auf der DVD dieser Veröffentlichung.
Tonbewertung Ein stets gut verständlicher deutscher Dolby Digital 2.0 Ton ohne erwähnenswerte Mängel kommt von der DVD dieser Veröffentlichung zu Gehör. Die beiden Sprecher in der Dokumentation, Hubertus Bengsch (u.a. deutsche Stimme von Richard Gere) und Detlef Bruns, verstehen es ihre Stimmen sehr stimmungsvoll und in höchst effizienter Art zum Vorteil dieser Rezension einzubringen. Gelungen auch, die Musik von Michael Hartmann, die maßgeblich die Szenerie und Handlung innerhalb der beiden Dokumentationen, mit unterstützt. Neben deutschen werden auch englische Untertitel zur optionalen Anwahl und Wiedergabe angeboten.
Gesamturteil: Auch die vierte Veröffentlichung innerhalb dieser sehr gelungenen DVD-Edition, unter Veröffentlichung und in Zusammenarbeit von ""S.A.D. Home Entertainment" und "RBB-MEDIA" überzeugt mit hervorragend recherchierten Fakten in sich. Dabei bieten die beiden Teile dieser Dokumentation, einen Blick zurück und ein tief beeindruckendes und emotional bewegendes zeitgeschichtliches Zeugnis, über eine Epoche der Geschichte der Deutschen, in der sie sich so nah und doch so fern waren. Vor allem die vielen Zeitzeugen aus Ost und West, vermögen mit ihren lebendig und authentisch erzählten Geschichten über diese Zeit, dem Zuschauer ein verständliches und nachvollziehbares Bild dieser Zeitepoche zu zeigen. Top-Empfehlung für diese sehr gelungene und höchst informative Veröffentlichung.