Dank der freundlichen Unterstützung der rbb media GmbH
hier nun eine Rezension zur 5. DVD der "Berliner Mauer Edition"
"Ostberlin - Hauptstadt mit Mauer".
Ost-Berlin Hauptstadt mit Mauer ist eine Dokumentation über das Lebensgefühl und den Alltag im ehemaligen Ostberlin anhand von Zeitzeugen. Berlin, die Hauptstadt der DDR, ist für 1,2 Millionen Menschen Lebensraum - mit Grenzen. Es war die Stadt der Idealisten und Karrieristen, die Stadt der Aufsteiger und Aufmüpfigen. Nirgendwo sonst in der DDR war der Osten westlicher als in Berlin.
Gemäß des politischen Anspruchs der DDR sollte sich Ost-Berlin auch architektonisch als 'Hauptstadt' präsentieren. Das Ergebnis: Neben liebevoller Rekonstruktion alter Stadtteile finden sich eintönig genormte Bauten aus vorgefertigten Betonteilen. Der Autor H.-J. Börner, damaliger ARDKorrespondent in Ost-Berlin, beobachtete 1987 diesen Wandel und sprach mit Bürgern über die 'Sozialistische Architektur'.
Anbieter: rbb media GmbH
Genre: Dokumentation
Ländercode : 0
Altersfreigabe : (FSK) o.A.
Laufzeit : 87 min.
Produktionsland : Deutschland
Produktionsjahr : 2008
Veröffentlichungstermine : 31.05.2009 [ Verkauf ]
Medien-Typ: 1 & DVD9
Bildformat(e): 4:3 (1:33) Vollbild
Tonformat(e): Deutsch Dolby Digital 2.0
Verpackung: Slim-Digi
Bildbewertung Anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Mauerfalls, veröffentlicht der "rbb" in Zusammenarbeit mit dem "Tagesspiegel" unter "S.A.D. Home Entertainment" einige der beeindruckendsten und besten Dokumentationen zu diesem Thema. Die Dokumentationen werden, beginnend mit dem Bau der Mauer, die Entwicklungen auf beiden Seiten der Mauer bis hin zu ihrem und dem verschwinden der DDR sowie dem Danach, begleiten.
Mit Beginn des Jahres 2009 wird jeden Monat eine neue DVD dieser Reihe zur Veröffentlichung gebracht. In einer der Ausgaben wird sich auch ein gedruckter Stadtplan mit dem Verlauf der Mauer befinden.
Die Dokumentationen zeigen historische Originalaufnahmen, aber auch Interviews mit Zeitzeugen und aktuelle Bilder. So entsteht mit dieser Reihe ein Abbild der politischen Ereignisse während der 28 Jahre, zwei Monate und 28 Tage, welche die Mauer stand und darüber hinaus. Sie berichten über und zeigen menschliche Schicksale, geglückte und gescheiterte Fluchtversuche, Häftlingsfreikäufe und von der friedlichen Revolution in der DDR, sowie dem Beginn eines neuen Lebens nach dem Mauerfall.
Auch mit der fünften Veröffentlichung innerhalb der Edition "Die Berliner Mauer", gelang es den Köpfen und Machern hinter selbiger wiederum, wie auch schon bei den vorhergehenden, bereits erhältlichen DVDs, zwei abermals höchst interessante, sich mit der Geschichte Berlins in den Jahren der Mauer thematisch beschäftigende Dokumentationen, für die vorliegende DVD zu finden.
Der dieser Veröffentlichung dem Titel gebende Dokumentarfilm "Ost-Berlin - Hauptstadt mit Mauer", von den beiden Filmemachern Dagmar Wittmers (u.a. Regie bei der TV-Serie "Mama ist unmöglich) und Jens Rübsam (erhielt den "Axel Springer-Preis" für Junge Journalisten), wurde im Auftrag und für den RBB produziert und war dort im Jahre 2006 erstmals zu sehen. Die ca. 44 Minuten laufende Dokumentation wirkt äußerst authentisch und frisch in der ihr eigenen, sehr gelungenen, erzählerischen und in ihrer Art der Umsetzung eingesetzten Mittel. So vermittelt sie, selbst heute, so viele Jahre nach dem Ende und Verschwinden der real existierenden DDR, noch immer und beinahe fühlbar das Lebensgefühl und den Sonderstatus, welchen Berlin als die einzige Großstadt in der damaligen DDR, inne hatte.
Es sind vor allem die erzählten Geschichten der Zeitzeugen und Menschen in dieser Dokumentation, die über eine Zeit ihres Lebens im Ostteil Berlins mit der Mauer an den Grenzen der Hauptstadt der DDR erinnern. Selbst für den zu DDR-Zeiten so oft beschworenen Arbeiter- und Bauernstaat, in dem alle Bürger laut Verfassung gleichgestellt waren, stand Ostberlin gegenüber dem Rest der Republik, stets in einer Position, welche von den Bürgern außerhalb von Berlin nicht immer nur wohlwollend betrachtet und gewertet wurde. Das fing an bei Sonderzuteilungen von Südfrüchten, bis hin zum Abzug ganzer Baubrigaden und Spezialkräften zum Auf- und Ausbau der sozialistischen Hauptstadt der DDR "zum Aufbau und Wohle des Sozialismus und aller seiner friedliebenden Bürger", wie es immer und immer wieder so gerne propagandiert wurde.
Dennoch war Berlin für jeden DDR-Bürger immer eine Reise wert. Sei es um staunend vor dem "Palazzo di Protzo", auch bekannt als "Erichs Lampenladen" oder eben offiziell dem "Palast der Republik" zu stehen oder das "Nikolaiviertel" oder dem "Telespargel", dem Ost-Berliner Fernsehturm, einen Besuch abzustatten. Na und wenn dann noch beim Einkauf in Berlin, von den Besuchern aus dem "Rest" der Republik, die eine oder andere "Delikatesse", wie mal ein Glas "Letcho" und "Delikatessgurken" oder selbst "Bockwurst" erworben werden konnte, war die Reise nach Berlin ein voller Erfolg. Für heutige Generationen kaum noch vorstellbar, aber zu Zeiten der DDR tatsächlich gelebter Alltag. Sicher nicht der Nabel der Geschichte und Weltpolitik, aber genau eben über die Alltäglichkeit des Seins und Lebens in, über und mit diesem Berlin zu Zeiten der Berliner Mauer, berichtet diese zugleich informative wie auch unterhaltende Dokumentation.
Auf der DVD als Bonusfilm bezeichnet, kommt der 1987 für den Sender Freies Berlin (SFB), durch das "ARD-Studio DDR", vom Korrespondenten Hans-Jürgen Börner gefertigte Bericht mit dem Titel "Zwischen Brandenburger Tor und Marzahn - Ost-Berlin verändert sein Gesicht" mit ca. 42 Minuten zur Ansicht. In dieser Dokumentation liegt, wie es der Titel schon sagt, das Hauptaugenmerk auf dem Aufzeigen der vor allem baulichen Veränderungen in der damaligen Hauptstadt der DDR. Betrachtet man diesen 1987 gefertigten Bericht, mit der Distanz der nunmehr weit über zwanzig vergangenen Jahre, ist es besonders interessant den kritisch und sachlich gehaltenen Stil der Macher der Dokumentation und den Stolz der Erbauer und Macher bei der damaligen Umgestaltung und baulichen Veränderungen im Ostteil Berlins, mit der nunmehr bekannten Entwicklung innerhalb der Geschichte zu betrachten. Einige der sozialistischen Errungenschaften jener Tage und Zeit gibt es nicht mehr, andere konnten sich behaupten.
So bietet diese interessante Dokumentation neben der Möglichkeit die Entwicklung und bauliche Umgestaltung in den Achtzigern im Berlin der DDR nochmals Revue passieren zu lassen, auch die Gelegenheit sich mit dem Wandel der Zeit und der Berichterstattung in den Medien im direkten Vergleich zu dem hier und jetzt zu beschäftigen. Diese im Original zur Ansicht kommende Dokumentation von 1987, bietet diese Möglichkeit, ohne dabei polarisierend, voller Nostalgie oder von Vorurteilen befangen zu sein.
Das Bild dieser DVD mit seiner Gesamtlaufzeit von ca. 86 Minuten und im Bildformat 16:9 und 4:3 unter rein technischen Maßstäben und Gesichtspunkten zu bewerten, wäre unangebracht und ist auch nicht in einer Gesamtaussage möglich. Zu unterschiedlich sind die zur Ansicht kommenden Bilder bei dieser Veröffentlichung. So sind den heutigen technischen Möglichkeiten entsprechende Bilder genauso zu sehen, wie über mehrere Jahrzehnte alte Filmaufnahmen oder Aufnahmen und Dokumente. Ein jeder wird sicher das Verständnis aufbringen, dass besonders die älteren Filmaufnahmen nicht mehr unseren heute gewohnten Standards entsprechen können. Sicher machen sich die mal mehr oder auch weniger vorhandenen Mängel in den Bildern bemerkbar. Aber viel wichtiger wie ein perfekt restauriertes Bild und Ton, sind doch die Zeitzeugnisse, die diese Aufnahmen in sich und ihrer Aussage haben und vermitteln.
In ihrer Gestaltung zeigen sich die Menüs der vorliegenden fünften Veröffentlichung in dieser Reihe, passend zu den bereits verlegten anderen DVDs. Nach Einlegen und dem Start der DVD, kommt ein Hauptmenü zur Ansicht, von welchen aus der gewünschte Teil dieser zweiteiligen Dokumentation zur Wiedergabe gestartet werden kann. Weiterhin können deutsche oder englische Untertitel zur optionalen Ansicht ausgewählt werden. Ein Kapitelmenü kommt nicht zur Ansicht, jedoch sind die Dokumentationen mit Kapitelmarkern versehen, die während der Wiedergabe der DVDs angewählt werden können. Als Extra findet sich leider nur der Trailer zur DVD-Edition "Die Berliner Mauer" auf der DVD dieser Veröffentlichung.
Tonbewertung Ein stets gut verständlicher deutscher Dolby Digital 2.0 Ton ohne erwähnenswerte Mängel kommt von der DVD dieser Veröffentlichung zu Gehör. Als Sprecher in der ersten Dokumentation ist Joachim Schönfeld zu hören, welcher es versteht seine Stimme sehr stimmungsvoll und in höchst effizienter Art in die Dokumentation einzubringen. Neben deutschen werden auch englische Untertitel zur optionalen Ansicht angeboten.
Gesamturteil: Die fünfte Veröffentlichung innerhalb dieser sehr gelungenen DVD-Edition, unter Veröffentlichung und in Zusammenarbeit von "S.A.D. Home Entertainment", dem "Tagesspiegel" und "RBB-MEDIA", bietet sehr interessantes aber zugleich auch unterhaltendes in thematisch hervorragend gezeigter und bezugnehmender Nähe zum Alltag Berlins zu Zeiten der Mauer. Dabei bieten beide Teile dieser Dokumentation, einen Blick zurück in eine Zeit in der Geschichte der Deutschen, in der sie sich so nah und doch auch fremd waren. Vor allem die vielen Zeitzeugen, vermögen mit ihren lebendig und authentisch erzählten Geschichten über diese Zeit, dem Zuschauer ein verständliches und nachvollziehbares Bild dieser Zeit inmitten des kalten Krieges zu zeigen. Top-Empfehlung für diese sehr gelungene und höchst informative Veröffentlichung.